18.05.2017

Sechs spannende Karrieren, die bei Jugend forscht ihren Anfang nahmen

Jedes Jahr findet der bundesweite Wettbewerb Jugend forscht statt. Aber was wird eigentlich aus den Teilnehmern und Siegern?

Ein Tipp: Es hat etwas mit elektrischen Flugzeugen und fleischfressenden Pflanzen zu tun.

Dieser Artikel wurde im Auftrag und mit Unterstützung der Siemens AG erstellt.

„Jugend forscht“ ist ein Nachwuchswettbewerb, der bereits seit mehr als 50 Jahren stattfindet. 1965 von Henri Nannen ins Leben gerufen, bietet der Wettbewerb Jugendlichen bis 21 Jahren die Möglichkeit, eigene wissenschaftliche Projekte in verschiedenen Fachgebieten zu erforschen – von Arbeitswelt über Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften bis hin zu Mathematik/Informatik, Physik und Technik. Teilnehmer können ihre Arbeiten zunächst zu regionalen Wettbewerben einreichen, deren Siegerinnen und Sieger sich automatisch für die Landeswettbewerbe qualifizieren. Gewinnt ein Jungforscher auch hier, startet er beim Finale – dem Bundeswettbewerb. Bewertet werden die einzelnen Projekte dabei auf jeder Wettbewerbsstufe durch eine Jury von Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Schule.

Vom 25. bis 28. Mai 2017 ist es wieder so weit. Auf Einladung der Siemens AG findet der Bundeswettbewerb dieses Jahr in Erlangen statt. 178 Jungforscherinnen und Jungforscher stellen sich mit insgesamt 107 Projekten den prüfenden Blicken der Jury – und dabei ist einiges geboten. Hast Du zum Beispiel schon mal einen selbst konstruierten computergesteuerten bionischen Elefantenrüssel gesehen? Mit Sensoren und Kameras ausgestattet kann diese Erfindung als autonomes Assistenzsystem für Menschen eingesetzt werden. Oder wie sieht es mit den Auswirkungen von Mikroplastik auf im Wasser lebende Organismen aus? Ein Jungforscherteam hat nachgewiesen, dass der Seeringelwurm Hediste diversicolorbei Futtersuche und Fortbewegung kleinste Plastikpartikel in tiefere Sedimentschichten transportiert. Davon profitieren Lebewesen, die sich in höheren Schichten aufhalten. Vor Ort zu sehen ist auch ein innovatives Konzept für die Implantation von Stents. Dies sind spezielle Gefäßstützen, die bei der Behandlung verengter Herzkranzarterien eingesetzt werden, um die Gefäße nach einer Erweiterung zu stabilisieren. Die neue Methode optimiert vor allem die Blutströmung in den verengten Gefäßen, was Komplikationen verhindern soll.

Wie bereits diese wenigen Beispiele zeigen, gehören die Teilnehmer von „Jugend forscht“ nicht selten zu den Innovationstreibern der nächsten Generation. Ein Blick in die Geschichte macht es deutlich. Komm mit und lerne eine Reihe ehemaliger Sieger kennen:

1 Wilko Wilkening

Luminol mag dem einen oder anderen bereits aus Krimi-Serien bekannt sein. Vermischt man die Chemikalie mit Wasserstoffperoxid, lassen sich selbst winzige Mengen Blut nachweisen, da diese als Katalysator die Mischung zum Leuchten bringen. Als Wilkening das erste Mal im Deutschen Museum der blau leuchtenden Flüssigkeit begegnete, begannen bei ihm sofort die Gedanken zu kreisen. Könnte man Luminol auch mit anderen Katalysatoren zum Leuchten bringen? Vielleicht sogar mit Strom? Mit der Beantwortung genau dieser Frage gewann Wilkening zusammen mit Markus Kalkum 1987 im Fachgebiet Chemie einen Sonderpreis. Nach seinem Elektrotechnikstudium widmete er sich schließlich dem medizinischen Ultraschall.

Heute ist Wilko Wilkening beruflich bei Siemens Healthineers in Mountain View im Silicon Valley in Kalifornien zu Hause. Dort arbeitet er daran, ein Herz mit Ultraschall in weniger als einer Zehntelsekunde abzubilden. Ein wichtiges Thema für die Medizin: Wenn Ärzte an Herzklappen operieren, können sie während des Eingriffs aus 3-D-Ultraschallbildern automatisch deren Größe ermitteln. Bisher mussten Mediziner die Herzklappen in 2-D-Schnittbildern ausmessen, was zeitaufwendig ist und die Genauigkeit sehr stark von den Fähigkeiten des Arztes abhängig macht. Jetzt kann eine Ultraschallsonde von Siemens nahtlose dreidimensionale Aufnahmen des Herzens in Echtzeit erzeugen und sie mit farbkodierter Doppler-Bildgebung des Blutflusses kombinieren. Diese neuartige Sonde ist etwa so dick wie ein Finger – und ein Stück Technologie, das Leben rettet. Trotzdem bleibt Wilkening bescheiden: „Was mich besonders freut, ist, dass ich den Dingen durch meine Arbeit auf den Grund gehen kann. Wirklich zufrieden bin ich erst, wenn ich die Zusammenhänge verstanden habe.“ Ein echter Ingenieur eben.

Wilko Wilkening, Siemens AG

2 Kjell Oppermann

Kjell Oppermann ist einer jener Menschen, die hart daran arbeiten, bestehende Systeme und Technologien zu verbessern und zu optimieren. Als er Anfang der 1990er als Schüler mit der damaligen Magnetresonanztechnologie (MRT) konfrontiert wurde, sah er sofort das große Problem: Experten konnten auf den flimmernden Bildschirmen Tumore erkennen, aber er selbst nicht.

Also machte sich Oppermann mit einem Freund an die Arbeit. Sie nahmen die Technologie auseinander, experimentierten mit verschiedenen Algorithmen, Komponenten und den einzelnen Arbeitsschritten und entwickelten schließlich ein „Anti-Rausch“-Programm, das ihnen einen Sonderpreis im Fachgebiet Mathematik/Informatik einbrachte. Und dann begann auch gleich sein Aufstieg: vom Software-Jungwissenschaftler zum Software-Chefeinkäufer von Siemens. Seinem Motto ist Kjell Oppermann dabei stets treu geblieben: Verbessern muss Spaß machen. Und so blickt er mit großer Freude zurück auf Jugend forscht: „Wenn ich heute an den damaligen Wettbewerb denke, wird mir klar, wie sehr mich dieser frühe Erfolg motiviert hat – und noch immer antreibt“, sagt Oppermann. „Es ist einfach unglaublich zu sehen, was junge Leute aus eigenem Antrieb erfunden haben.“

Kjell Oppermann, Siemens AG

3 Waltraud Schulze

Die Biologie ist eine Wissenschaft, die noch längst nicht an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen ist, und Waltraud Schulze ist der beste Beweis dafür. Mit 19 Jahren hat sie im Rahmen von „Jugend forscht“ die Samenproduktion der Acker-Schmalwand untersucht, ein Projekt, das ihr 1990 den Bundessieg im Fachgebiet Biologie einbrachte. Wer jetzt glaubt, Waltraud Schulze sei es seitdem langweilig gewesen, der hat sich schwer getäuscht.

Sie blieb bei ihrer Leidenschaft, tauschte jedoch den Acker gegen die große weite Welt. Heute reist die Biologie-Professorin von der Universität Hohenheim durch die Antarktis, Tibet, die Mongolei oder das australische Outback, besteigt Berge und fährt Langstrecken-Fahrradtouren. Alles, um weiter Pflanzen untersuchen zu können, am liebsten fleischfressende.

Stiftung Jugend forscht e.V.

4 Frank Anton

Frank Anton ist ein geborener Erfinder. Als sein Physiklehrer ihm 1974 erklärte, man könne Morse-Code-Signale nicht automatisch entschlüsseln, wollte Anton ihm das Gegenteil beweisen. Ein Jahr später präsentierte er bei „Jugend forscht“ einen Apparat aus 82 Schaltkreisen, der die Codes automatisch und absolut fehlerfrei in geschriebene Wörter verwandeln konnte und der später patentiert werden sollte. Der Sieg im Bundeswettbewerb in der Kategorie Technik war ihm sicher, und am Nachbarstand lernte er zudem Gisela Glasmacher, seine spätere Ehefrau, kennen. Anton ging nach seinem Studium schließlich zu Siemens, um weiter den technologischen Fortschritt mitzugestalten, unter anderem in der Medizintechnik, bei elektrischen Motoren oder in der Arbeit mit Magnetresonanztomografen.

Mehrere Jahrzehnte später, auf dem „Siemens Innovation Day 2008“, kam er mit dem CTO von Airbus ins Gespräch. Die beiden Hobbypiloten fanden schnell ein gemeinsames Interessengebiet: das Elektrische Fliegen – ein weiteres Thema, bei dem viele sagten, so etwas sei nicht möglich. Doch Frank Anton ließ es nicht mehr los: „Geht nicht“ – solche kategorischen Aussagen lässt er nicht gelten. „So was stachelt mich erst an. Besonders wenn etwas rein physikalisch möglich ist, also die Naturgesetze keinen Riegel vorschieben“, erzählt der 60-jährige gelernte Teilchenphysiker. „Das Mindeste ist dann herauszufinden, warum es nicht geht.“ Und wie so oft – und das zieht sich durch Frank Antons Leben – ging es am Ende eben doch. Nur acht Jahre später stellte der von Anton mitentwickelte elektrische Flugzeugmotor mehrere Weltrekorde auf. Und Siemens und Airbus vereinbarten schließlich eine Partnerschaft mit dem Ziel, gemeinsam die Luftfahrt zu revolutionieren. Auf Basis des Rekord-Motors wollen Siemens und Airbus hybrid-elektrische Regionalflugzeuge entwickeln. „Bis 2030 erwarten wir erste Maschinen mit bis zu 100 Passagieren und rund 1.000 Kilometern Reichweite“, sagt Anton. Solche ehrgeizigen Projekte leben von kreativen und kompetenten Ingenieurinnen und Ingenieuren. Mit der Förderung von Schülern und Studenten kann man da gar nicht früh genug anfangen. Daher hat sich Frank Anton auch dafür eingesetzt, dass Siemens nach 1976 und 1997 erneut den Bundeswettbewerb Jugend forscht ausrichtet. Als Bundespatenbeauftragter wird er sich in Erlangen um die Nachwuchstalente kümmern und sie mit seinem Motto anstecken „Geht nicht – gibt’s nicht.“

Frank Anton, Siemens AG

5 Gisela Anton

Gisela Glasmachers trat 1975 mit einem der wohl längsten Projekttitel bei „Jugend forscht“ an. Ihr Thema: „Berechnung stabiler Schwimmlagen homogener Körper mit quadratischem Querschnitt mit Hilfe elementarer mathematischer Methoden“ oder verständlicher ausgedrückt: Warum leichte Holzbalken waagrecht im Wasser liegen, während schwere Balken schräg liegen. Ihr Projekt bescherte ihr den Sieg im Fachgebiet Physik.

Ebenfalls auf dem Siegertreppchen stand Frank Anton – und zwar im Fachgebiet Technik. Vier Jahre später heiratete er Gisela Glasmachers. Während ihr Mann zu Siemens in die Wirtschaft ging, blieb Gisela Anton der Forschung treu. Sie habilitierte sich an der Universität Bonn mit einer Forschungsarbeit über den Teilchenbeschleuniger ELSA, für den sie den Detektor Amadeus entwickelte. Diese Leistung brachte ihr 1994 nicht nur den wichtigsten deutschen Wissenschaftspreis ein, den Leibniz-Preis, sondern 1995 auch das Bundesverdienstkreuz.

Heute ist Gisela Anton Inhaberin des Lehrstuhls für Experimentalphysik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und leitet das Erlangen Centre for Astroparticle Physics, um die Ursprünge kosmischer Strahlung weiter erforschen zu können.

Gisela Anton, Siemens AG

6 Jens Weidmann

Jens Weidmann nahm bereits als 15-Jähriger am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Im Jahr 1984 untersuchte er zusammen mit einem Freund das Wasser der Murr, eines Flusses nahe seiner Heimatstadt. Was den beiden an Ausrüstung fehlte, ersetzten sie durch akribische Tests, eine große Ladung Begeisterung und ein halbes Jahr Forschungsarbeit im Keller des Elternhauses. Das Ergebnis: der 3. Preis im Fachgebiet Chemie beim Landeswettbewerb in Baden-Württemberg.

Für Weidmann sollte es jedoch, trotz seiner Faszination für Chemie, nicht in die naturwissenschaftliche Forschung gehen. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaftslehre und wurde schließlich Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel sowie jüngster Bundesbankpräsident der Geschichte.

Seine Begeisterungsfähigkeit und Akribie sind ihm erhalten geblieben und waren eine wichtige Voraussetzung für seine erfolgreiche Karriere.

Foto: Gaby Gerster

Siemens fördert Nachwuchswissenschaftler

Bereits zum dritten Mal ist Siemens Bundespatenunternehmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“, der dieses Jahr unter dem Motto „Zukunft. Ich gestalte sie.“ steht. Stattfinden wird der 52. Bundeswettbewerb vom 25. bis 28. Mai 2017 in Erlangen. Die 178 Sieger der Landeswettbewerbe, unter ihnen 44 Mädchen, konnten sich als Einzelpersonen und Teams für das Bundesfinale qualifizieren.

Dort werden am 28. Mai 2017 Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Roland Busch, Technologievorstand der Siemens AG, und weitere hochrangigen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die Bundessieger küren. Als Bundespatenunternehmen hat sich Siemens das Ziel gesetzt, besondere Leistungen und Begabungen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern und so die Forscher, Entdecker und Erfinder der Zukunft zu unterstützen. Dort werden am 28. Mai 2017 unter anderem durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung die Bundessieger gekürt.

Als Bundespatenunternehmen hat sich Siemens das Ziel gesetzt, besondere Leistungen und Begabungen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern und so die Forscher, Entdecker und Erfinder der Zukunft zu unterstützen.


Mehr Informationen gibt es unter
www.siemens.com/jufo17.